Bestimmung des fetalen RhD-Status aus mütterlichem Blut

Bislang wurde in der Schwangerschaft bei allen RhD-negativen Frauen eine Anti-D-Prophylaxe in der 28. – 30. Schwangerschaftswoche empfohlen. Eine Anti-D-Prophylaxe ist jedoch dann nicht notwendig, wenn der Fetus (der RhD-negativen Schwangeren) ebenfalls RhD-negativ ist.

Eine Kooperation mit dem Labor Enders ermöglicht es uns, Ihnen und Ihren Patientinnen einen nicht-invasiven Test zur Bestimmung des fetalen RhD-Status in der Schwangerschaft anzubieten. Ein solcher Test ist nur für RhD-negative Mütter zu empfehlen.

Der Test kann zu zwei Ergebnissen führen:

  1. Der Fetus wird RhD-positiv getestet – die Wahrscheinlichkeit hierfür beträgt rund 60 %:
    In diesem Fall sollte der Schwangeren eine Anti-D-Prophylaxe verabreicht werden.
  2. Der Fetus wird RhD-negativ getestet – die Wahrscheinlichkeit hierfür beträgt rund 40 %:

In diesem Fall kann auf eine Anti-D-Prophylaxe Ihrer Patientin verzichtet werden.

Diese Vorgehensweise wurde in der Richtlinie Hämotherapie von der Bundesärztekammer vorgeschlagen, die im August 2017 veröffentlicht wurde.

 

Wie wird der fetale RhD-Status aus mütterlichem Blut bestimmt und wie kann es eventuell zu falschen Befunden kommen?

Bei der RhD-negativen Mutter wird eine EDTA-Blutprobe entnommen. Die Blutprobe wird von uns an das Labor Enders gesandt. Dort wird anhand von zellfreier fetaler DNA (cffDNA) der fetale Rhesus-Status bestimmt.

In seltenen Fällen (1 von 500) kann ein falsch-negatives Testergebnis (der Test ergibt einen RhD- negativen Befund obwohl der Fetus RhD-positiv ist) auftreten. Der Grund für einen falsch-negativen Befund liegt zumeist daran, dass zu wenig fetale DNA vorhanden ist. Falsch-positive Befunde (der Test ergibt einen RhD-positiven Befund obwohl der Fetus RhD-negativ ist) können durch sogenannte stumme Allele entstehen.

Um möglichst sicherzustellen, dass genügend fetale DNA im mütterlichen Blut zirkuliert, empfehlen wir, die Bestimmung des fetalen RhD-Status erst ab der 20. SSW zu veranlassen.

 

Welche Risiken sind mit dem Test verbunden?

Es können falsch-positive und falsch-negative Testergebnisse auftreten.

Ein falsch-positives Ergebnis kann dazu führen, dass bei der Mutter eine Anti-D-Prophylaxe durchgeführt wird, ohne dass dies notwendig ist. Ohne die pränatale Testung wäre diese Rh-Prophylaxe allerdings ebenfalls gegeben worden.

Ein falsch-negatives Ergebnis kann hingegen dazu führen, dass eine Anti-D-Prophylaxe der Mutter unterlassen wird, obwohl diese angezeigt ist. Da postpartal immer die Bestimmung des Rhesusfaktors erfolgt, ist das Risiko einer Immunisierung der Mutter auch in diesem Fall relativ gering. Wie oben erwähnt, muss mit einem falsch-negativen Befund pro 500 negativen Befunden gerechnet werden. Das Immunisierungsrisiko pro unterlassener Anti-D-Prophylaxe in der Schwangerschaft beträgt wiederum maximal 1-2%. Damit ist das Immunisierungsrisiko bei der gezielten Anti-D-Prophylaxe nach pränataler Bestimmung des fetalen RhD-Status insgesamt nicht höher als bei der ungezielten Anti-D-Prophylaxe.

Wir empfehlen, diese Punkte mit Ihrer Patientin zu besprechen und sie gemäß Gendiagnostikgesetz (vorgeburtliche genetische Analyse) aufzuklären. Insbesondere über die Möglichkeit eines falsch-negativen Testergebnisses mit in der Folge versäumter Rh-Prophylaxe sollte die Patientin vor Testdurchführung informiert werden.

 

Wie wird der Test durchgeführt?

Für die Bestimmung werden 7,5 ml EDTA-Blut benötigt, das ab der 20. SSW gewonnen werden sollte. Bitte verwenden Sie das dem Testkit beiliegende EDTA-Röhrchen. Aus dem Material können keine sonstigen Untersuchungen angefordert werden.

Die Stabilität der zellfreien DNA in den beiliegenden EDTA-Röhrchen beträgt bei Raumtemperatur 5 Tage. Daher sollte der Versand der Proben direkt nach Blutentnahme an uns oder direkt an das Labor Enders erfolgen. Das Röhrchen muss mit Vor- und Nachnamen sowie dem Geburtsdatum beschriftet werden, ansonsten ist keine Bearbeitung möglich. Der Barcode allein ist nicht ausreichend. Eine Kühlung oder Zentrifugation der Probe ist nicht erforderlich.

Die Testergebnisse werden Ihnen in der Regel innerhalb einer Woche, spätestens nach zwei Wochen direkt von Labor Enders übermittelt.

 

Wer trägt die Kosten für die Untersuchung?

Die Kosten für die molekulargenetische Bestimmung des fetalen RhD-Status aus mütterlichem Blut in der Schwangerschaft liegen bei 134,07 € zzgl. Versandkosten von 3,73 €. Die Rechnungsstellung erfolgt durch das Labor Enders an die Patientin. Privat krankenversicherte Schwangere können die Rechnung bei ihrer Krankenkasse zur Erstattung einreichen. Über eine Erstattung der Kosten für gesetzlich Versicherte ist das Beratungsverfahren beim hierfür zuständigen Gemeinsamen Bundesausschuss noch nicht abgeschlossen. Gesetzlich versicherte Schwangere müssen Stand heute die Analyse also selber bezahlen.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern unter der Telefonnummer 07071-56544-430 zur Verfügung. Für fachliche Fragen können Sie sich auch gern an Herrn Dr. Rauch vom Labor Enders unter der Telefonnummer 0711-6357-228 wenden.

Informationen für Ihre Patientinnen finden Sie auf unserem Informationsflyer. Sie können den Testkit (inklusive Anforderungsformular) und den Flyer kostenfrei über unser Kontaktformular bestellen.

 

Nachweis DiGeorge-Syndrom (Mikrodeletion 22q11.2) mit dem Harmony® Test

Das DiGeorge-Syndrom stellt nach der Trisomie 21 die zweithäufigste Ursache einer fetalen Entwicklungsverzögerung sowie schwerer angeborener Herzfehler dar [1, 2]. Die Prävalenz beträgt postnatal etwa 1: 4000 bis 1:6000 [2]. Neuere Daten zeigen, dass die pränatale Prävalenz bis zu 1:1000 betragen kann [3].

Verursacht wird das DiGeorge-Syndrom durch eine submikroskopische Deletion im Chromosom 22. In den meisten Fällen beträgt die Größe der Deletion etwa 3 Megabasen (MB), in etwa 10 – 15 % der Fälle liegt jedoch eine kleinere Deletion von nur 1,5 MB oder weniger vor.

Mit dem Harmony® Test ist es nun möglich, das DiGeorge-Syndrom beim ungeborenen Kind aus dem mütterlichen Blut nachzuweisen bzw. weitgehend auszuschließen.

In einer ersten Validierungsstudie konnte gezeigt werden, dass mit dem Harmony® Test auch Schwangerschaften mit einer fetalen Mikrodeletion unterhalb von 3 MB erkannt werden [4].

Die Untersuchung auf das DiGeorge-Syndrom kann bei Einlingsschwangerschaften zu jeder der bestehenden Testoptionen des Harmony® Tests hinzugefügt werden.

Da jeder zusätzliche Test die Gesamt-Falsch-Positiv-Rate eines nicht-invasiven Pränataltests erhöht [5], empfehlen wir, die Testoption „DiGeorge-Syndrom“ nur bei erhöhtem Risiko auf diese Mikrodeletion anzufordern. Dies kann beispiels­weise bei entsprechenden sonografischen Auffälligkeiten sinnvoll sein.

Unser aktuelles Anforderungsformular mit der Option der Untersuchung auf das DiGeorge-Syndrom können Sie hier bestellen.

 

Quellen:

[1]            Bassett et al. J Pediatr. 2011 Aug;1 59(2): 332-9

[2]           McDonald-McGinn et al. GeneReviews 1999 Sep 23

[3]           Grati FR et al. Prenat Diagn 2015; 35: 801–809

[4]           Schmid M et al. Fetal Diagn Ther 2017 Nov 8, E-pub ahead of print

[5]           Stumm M, Schröer A. Gynäkologe 2018; 51: 24-31

Datenschutzgrundverordnung

Seit dem 25. Mai 2018 ist die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) wirksam.

Wir führen im Auftrag Ihrer Patientin den Harmony®-Test durch. Mit der Unterschrift auf dem Anforderungsformular geht die Patientin ein direktes Auftragsverhältnis mit uns als Labor ein. Deshalb ist es nicht notwendig, dass Sie als Arzt mit uns als Auftragnehmer eine Auftragsdatenverarbeitungsvereinbarung abschließen.

Um den neuesten Änderungen in der Datenschutzgesetzgebung zu entsprechen, haben wir die Datenschutzerklärung auf unserer Homepage aktualisiert. Darin erläutern wir den Umgang mit den personenbezogenen Daten transparent und anschaulich. Die Datenschutzerklärung finden Sie hier.