Bestätigungsrate (PPV) beim Screening auf XY-chromosomale Störungen mittels des Harmony® Tests in Abhängigkeit vom Abklärungsverfahren

In einer aktuellen Studie, publiziert im August 2020 in Prenatal Diagnosis, haben wir in Zusammenarbeit mit Prof. Oliver Kagan (Universitätsklinikum Tübingen) und Francesca Grati (TOMA Advanced Biomedical Assays S.p.A., Impact Lab Group) den Positiven Vorhersagewert (PPV) beim Screening auf gonosomale Aneuploidien (sex chromosomal aneuploidies [SCA]) ermittelt.

Mehr als 90.000 Schwangere wurden von der Cenata mittels des Harmony® Tests auf eine XY-chromosomale Störung untersucht. Bei 351 (0,53 %) von 66.203 auswertbaren cfDNA-Tests auf SCA wurde ein auffälliges Ergebnis ermittelt. Die Studienpopulation bildeten 144 Schwangere, die sich für eine pränatale Karyotypisierung mittels AC oder CVS oder eine postnatale Untersuchung entschieden hatten. In 78 Fällen wurde eine Amniozentese und in 34 Fällen eine CVS durchgeführt. Eine postnatale Karyotypisierung wurde in 32 Schwangerschaften durchgeführt.

38,9 % der auffälligen cfDNA-Tests auf SCA wurden mittels CVS/AC oder postnataler Untersuchung bestätigt. Insbesondere die Bestätigungsrate für eine Monosomie X war dabei signifikant abhängig vom eingesetzten diagnostischen Testverfahren: Während mittels CVS 54,6 % der auffälligen cfDNA-Tests auf MX bestätigt wurden, wurden mittels AC nur 17,1 % bestätigt (Chi-Quadrat-Test p = 0,014).

Die Bestätigungsrate bzw. der PPV eines auffälligen cfDNA-Ergebnisses auf eine SCA ist somit deutlich niedriger als bei der Trisomie 21, 18 oder 13. Die Methode der Wahl zur Untersuchung des fetalen Karyotyps sollte, insbesondere bei einem erhöhten Risiko für eine Monosomie X, die Amniozentese und nicht die Chorionzottenbiopsie sein.

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Genomweite Tests aus cfDNA

Seit ein paar Monaten werden von einigen Testanbietern NIPT-Verfahren beworben, die alle 23 Chromosomenpaare untersuchen (sog. genomweites Testen, GW-cfDNA testing). In diesem Zusammenhang möchten wir Sie auf eine bemerkenswerte Publikation aus der Arbeitsgruppe um Prof. Nicolaides hinweisen [1], in der die Ergebnisse der niederländischen TRIDENT-2 Studie und einer Studie aus Belgien bewertet werden. Insgesamt 60.191 genomweite Tests an zellfreier DNA aus dem mütterlichen Blut wurden durchgeführt. Durch den genomweiten Ansatz sollten klinisch relevante, seltene autosomale Trisomien und seltene chromosomale Imbalancen des Feten diagnostiziert werden.

In 235 Fällen wurden von den Tests derartige Auffälligkeiten angezeigt. Allerdings: Die weit überwiegende Anzahl dieser Auffälligkeiten konnte durch eine invasive Diagnostik nicht bestätigt werden.

Deshalb kommen die Autoren zu den folgenden Schlussfolgerungen:

  • Das Ausweiten der Testung auf andere Chromosomen als 13, 18 und 21 erhöht die Test-Positivrate deutlich (um 0,4 – 0,8 Prozentpunkte) und damit die Zahl an unnötigen invasiven Eingriffen. Zu Ihrer Information: Die Gesamt-Falsch-Positivrate des Harmony® Tests für die Trisomien 21, 18 und 13 liegt unter 0,1 %.
  • Von 101 positiven Ergebnissen auf seltene chromosomale Anomalien haben sich in der darauffolgenden invasiven Diagnostik nur sechs (6 %) bestätigt, nur ein Fetus hatte tatsächlich einen abnormalen Phänotyp.
  • Da bis heute in den meisten Fällen nicht bekannt ist, welches klinische Bild mit einer seltenen chromosomalen Anomalie einhergeht, wird das Screening auf diese Chromosomenstörungen weltweit von keiner Fachgesellschaft empfohlen.
  • Ein auffälliges Ergebnis auf eine seltene Chromosomenstörung führt regelmäßig zu Ängsten bei den Schwangeren, zu unnötigen invasiven Eingriffen und in nicht wenigen Fällen zu einer grundlosen vorzeitigen Beendigung der Schwangerschaft.
  • GW-cfDNA-Tests verstoßen gegen die von der WHO definierten Prinzipien des Screenings.

Die Aussagen dieser Publikation bestätigen uns, mit dem Harmony® Test nur klinisch relevante Aneuploidien zu untersuchen. Wir haben unsere Testoptionen einzig um die Testung der häufigsten Mikrodeletion, dem DiGeorge-Syndrom (22q11.2), ergänzt.

Schematische Darstellung der Detektionsrate, der klinischen Relevanz und der Anzahl falsch-positiver Befunde beim Screening auf
verschiedene chromosomale Störungen mittels NIPT

Im Rahmen des Harmony® Tests stehen Ihnen drei Testvarianten mit zwei Zusatzoptionen zur Verfügung. Nähere Informationen finden Sie hier.

Überblick der Harmony® Testvarianten und Preise

 

[1] Jani JC, Gil MM, Benachi A, Prefumo F, Kagan KO, Tabor A, Bilardo CM, Di Renzo GC, Nicolaides KH. Genome-wide cfDNA testing of maternal blood. Ultrasound Obstet Gynecol. 2020;55:13-14

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