Rh-Prophylaxe

Anti-D kann einen Morbus haemolyticus* verursachen. Um dies zu verhindern, wurde seit den 1960er Jahren die Rhesus-Prophylaxe eingeführt. Dabei wird eine kleine Dosis von Anti-D verabreicht. Hierdurch werden eventuell in die Blutbahn der Mutter übergetretene Erythrozyten des Kindes abgebaut und so eine Immunisierung der Mutter gegen das Kind verhindert. Die Rh-Prophylaxe wird der Mutter nach der Geburt verabreicht, sobald die Blutgruppe des Neugeborenen aus dem Nabelschnurblut bestimmt worden ist und das Neugeborene RhD-positiv ist. Aus dem Nabelschnurblut des Neugeborenen wird heute nach der Geburt die Blutgruppe bestimmt. Sofern das Neugeborene RhD-positiv ist, wird der Mutter die Rh-Prophylaxe verabreicht. Ferner wird die Rh-Prophylaxe bei allen RhD-negativen Schwangeren gemäß Mutterschaftsrichtlinien schon in der 28. bis 30. Schwangerschaftswoche verabreicht, da man zu diesem Zeitpunkt die Blutgruppe des ungeborenen Kindes mit herkömmlichen serologischen Methoden noch nicht bestimmen kann. Einem Teil der Schwangeren wird die Rh-Prophylaxe also verabreicht, ohne dass es rückblickend betrachtet tatsächlich notwendig gewesen wäre.

Die Präparate für die Rh-Prophylaxe können als sehr sicher angesehen werden. Trotzdem äußern Schwangere gelegentlich Bedenken, da es sich bei der Rh-Prophylaxe um ein Blutprodukt handelt. Für die Herstellung werden Spenden von Menschen verwendet, die sich früher einmal gegen Antigen D immunisiert haben.

* Früher war Anti-D ein häufiger Grund für den sogenannten Morbus haemolyticus. Das ungeborene Kind bekommt von der Mutter über den Mutterkuchen (die Plazenta) eine Vielzahl von Antikörpern übertragen. Dadurch wird das Neugeborene vor Infektionen geschützt. Im Falle von Anti-D führt dies allerdings dazu, dass die kindlichen Erythrozyten beschleunigt abgebaut werden. Das kann zur sogenannten Neugeborenengelbsucht führen, die aber heutzutage mit Phototherapie (also blauem Licht) gut behandelbar ist. Bei sehr hohen Konzentrationen von Anti-D kann der Abbau der Erythrozyten jedoch so schnell vorangehen, dass das ungeborene Kind nicht ausreichend Blut nachbilden kann und eine Blutarmut (Anämie) entwickelt. Das ist allerdings selten und kann mittels Transfusion in die Nabelschnur ebenfalls gut behandelt werden. Es ist jedoch wichtig, die Bildung von Anti-D und auch anderen Blutgruppenantikörpern rechtzeitig zu entdecken. Deshalb werden in der Schwangerschaft zwei Antikörpersuchtests durchgeführt, und zwar in der Frühschwangerschaft sowie zwischen der 24. und der 27. Schwangerschaftswoche. Neben Anti-D werden dort auch andere, überwiegend harmlose Antikörper gefunden, so dass auch bei positivem Antikörpersuchtest die große Mehrzahl der Schwangerschaften normal verläuft.